Wacholder

Juniperus communis L.

Die Pflanze:

Der immergrüne, zu den Zypressengewächsen gehörende Wacholderstrauch wird meistens hüfthoch bis übermannshoch, manchmal aber noch sehr viel größer. Die sehr spitzen, stacheligen Nadeln stehen in Büscheln an den Zweigen. Aus den kleinen, unscheinbaren Blüten entwickeln sich kugelige Beerenzapfen, die erst im 3. Jahr zur Vollreife kommen. Sie haben sich dann vom Grün in ein dunkles, bläulich bereiftes Violett verfärbt. Jeder der 6-10 mm großen Beerenzapfen besteht aus drei zusammengewachsenen, fleischigen Fruchtblättern, die je einen eiförmigen, stumpfkantigen Samen bergen.


Heimat und Verbreitung:

In fast ganz Europa und im gemäßigten Asien, vom Kanal bis nach Kamtschatka, gehört der Wacholder mit seinem typischen Wuchs zum charakteristischen Erscheinungsbild karger Heide- und Berglandschaften.

Anbau und Gewinnung:

Wo er häufiger auftritt, erntet man durch Sammeln von den wildwachsenden Sträuchern die reifen Beerenzapfen, die durch das anschließende Trocknen schwarzbraun bis bläulich-schwarz werden. (In Deutschland steht der Wacholder unter strengem Naturschutz, doch darf man zur Reifezeit die Wacholderbeeren pflücken.)

Das Gewürz und seine Verwendung:

Wacholderbeeren duften charakteristisch balsamisch und schmecken süßlich-würzig und harzig-bitter. Sie werden zum Würzen von Fleischgerichten, Fischsud, Marinaden, Suppen, Soßen, Beizen und Sauerkraut verwendet und sind entweder ganz, gerissen oder gemahlen in verschiedenen Gewürzmischungen enthalten. Die Getränkeindustrie braucht für alkoholische Getränke Wacholder in größeren Mengen. In der Medizin nutzt man, meistens in Tees, die harntreibenden Wirkstoffe der Wacholderbeeren.

Geschichtliches:

Der Gebrauch von Wacholder als Gewürz, Heil- und mystisches Zaubermittel ist sehr alt. Bereits vor 3500 Jahren machte man in Ägypten aus verschiedenen Kräutern und Wacholderbeeren Mundwässer. Die Germanen nahmen Reisig vom Wacholder-Baum, der bei ihnen als heilig galt und verehrt wurde, um Opfer zu verbrennen und ihre Toten einzuäschern. Im Mittelalter glaubte man, mit Wacholderzweigen den Teufel vertreiben zu können, weil Christus angeblich an ein Kreuz aus Wacholderholz geschlagen wurde. Man schützte sich auch zu dieser Zeit vor dem Wundlaufen, wenn man sich ein Wacholderreis an den Hut steckte und glaubte, daß Ruten aus Wacholderzweigen halfen, gestohlenes Gut wiederzufinden.