Thymian

Thymus vulgaris L.

Die Pflanze:

Der ausdauernde Thymian gehört zu den Lippenblütlern und wird etwa 20-40 cm hoch. Die mehr oder weniger stark verholzenden, aufrechten Stengel tragen Büschel von graugrünen, sehr kurz gestielten, länglich-lanzettlichen, ganzrandigen, am Rand nach unten eingerollten Blättern, die auf der Unterseite filzig behaart sind. Die Thymianblüten sind rosa bis violett.


Heimat und Verbreitung:

Thymian wächst in Südeuropa wild an Berghängen und ist dort eine typische Pflanze der Felsheiden. Außer den wilden Vorkommen wird Thymian in Nord-Afrika, Spanien, Portugal, Südfrankreich, Italien, Jugoslawien, Griechenland, Bulgarien, Ungarn, Russland, in Österreich, Deutschland und in England angebaut. Auch im wärmeren Nordamerika gibt es Thymian-Kulturen. 

Anbau und Gewinnung:

Für den häuslichen Bedarf zieht man Thymian im Kräutergarten. Im Großanbau werden die meistens aus Samen gezogenen Stecklinge ins Freiland gesetzt und später im 2. Jahr geerntet. Im 3. Jahr wird die Pflanzung gewöhnlich erneuert. Die Ernte kurz vor Beginn oder während der Blüte erfolgt mit Sicheln oder Scheren. Von den möglichst tief geschnittenen Stengeln streift man die Blätter und Sproßenden ab und trocknet sie im Schatten. Manchmal bündelt man Thymian auch und trocknet die Blätter am Stengel. Getrockneter Thymian bewahrt das Aroma sehr lange. Er kommt gewöhnlich gerebelt, manchmal grob zerkleinert und noch seltener gemahlen auf den Markt.

Das Gewürz und seine Verwendung:

Thymian duftet stark aromatisch und schmeckt charakteristisch bitter-würzig. Er gehört unbedingt zu den "Fines Herbes" der französischen Küche und wird zum Würzen von Fleisch- und Fischgerichten, Suppen, Soßen, Salaten, Gemüse und Kartoffeln verwendet. Auch Kräuteressig verträgt den Thymian gut. Neben seinen würzenden Eigenschaften hat das Kraut antiseptische und konservierende Wirkstoffe, die in Wurstwaren von Vorteil sind. Deshalb bestehen viele Wurstgewürzmischungen, besonders solche für Kochwurstsorten, zum Teil aus Thymian. Ferner wird Thymian als Gewürz in der Getränkeindustrie eingesetzt und findet Anwendung als Droge in der Pharmazie und bei der Kosmetikindustrie. 

Geschichtliches:

Zur Zeit der Pharaonen bereitete man in Ägypten, wie Funde in Grabkammern bewiesen, aus Thymian ein feines Parfum und benutzte es zum Einbalsamieren der Toten. Aus dem griechischen Wort Thymos, was man mit "Mut" oder "Kraft" übersetzen kann, ist der Name Thymian abgeleitet. Er weist auf die Bedeutung und Wertschätzung des heil- und würzkräftigen Krautes hin, das dieses in der Antike genoss. Die Griechen verwendeten es damals schon zum Würzen bestimmter Käsesorten und verschiedener Getränke oder, so Hippokrates, verordneten es als entwässerndes Gemüse. Der Thymian war zwar schon lange vor der Zeitrechnung in Südeuropa bekannt und geschätzt, kam aber erst mit Mönchen des Benediktiner-Ordens über die Alpen.